Forschungszentrum des Pentagon arbeitet an Echtzeit-Gehirnscanner

Redaktion

Die Forschungsbehörde des Pentagons, die Defense Advanced Research Projects Agency(DARPA), ist dabei, 70 Mio. Dollar in ein Implantat zu investieren, das Gehirnsignale in Echtzeit verfolgen und auf sie reagieren können soll.

Ziel des neuen Projekts mit dem vielversprechenden Namen »Systembasierte Neurotechnologien für sich abzeichnende Therapien« (SUBNETS) ist es, neue Informationen mittels fortschrittlicherer Gehirnimplantate zu sammeln, um auf diese Weise die nächste Stufe wirksamer neuropsychologischer Behandlungen zu erklimmen. Die DARPA hofft, das neue Implantat innerhalb der nächsten fünf Jahre entwickeln zu können.

Bereits jetzt leben an die 100 000 Menschen weltweit mit einem Implantat zur Tiefen Hirnstimulation. Mit einem solchen Implantat kommen Patienten z.B. besser mit der Parkinson-Erkrankung zurecht. Wissenschaftler erforschen gegenwärtig die Möglichkeit, diese Geräte, die meist aus dünnen Elektroden bestehen, die durch einen Impulsgeber elektrische Impulse an die Zielregion im Gehirn abgeben, auch bei anderen Erkrankungen einzusetzen. Bisher sind diese Geräte aber nur in der Lage, die Symptome zu behandeln. Gehirnsignale aufzuzeichnen oder die Wirksamkeit der verabreichten Behandlung zu analysieren, ist bisher noch nicht möglich. »Es ist derzeit keine Technologie verfügbar, mit der man Signale aufzeichnen kann, die den Wissenschaftlern Aufschluss darüber geben könnten, was genau im Gehirn vorgeht«, sagte Justin Sanchez, der Programmmanager der DARPA, gegenüber der New York Times.


Das SUBNETS-Programm soll die gegenwärtige Situation revolutionieren. Die DARPA will nicht nur genau festhalten können, wie sich bestimmte Erkrankungen im Gehirn eines Betroffenen entwickeln und manifestieren, zugleich sollen die Implantate in der Lage sein, in Echtzeit Krankheitsanzeichen aufzuzeichnen, Behandlungen einzuleiten und deren Wirksamkeit zu überwachen.

Angesichts der Tatsache, dass traumatische Erfahrungen und psychisch-geistige Störungen unter vielen Kriegsteilnehmern verbreitet sind, besitzt diese ehrgeizige Initiative eine hohe Dringlichkeit. Zehn Prozent der Soldaten, die von der Veteran Health Administration medizinisch versorgt werden, leiden unter psychischen Störungen oder Suchtmittelmissbrauch. Psychische Störungen gehören heute zu den vorrangigsten Gründen für einen stationären Aufenthalt.

»Wenn SUBNETS Erfolg hat, könnte dies dazu führen, dass die Neuropsychiatrie nicht länger nur von Gesprächsbeobachtungen mit daraus folgenden Therapien nach dem Muster ›Versuch und Irrtum‹ abhängig ist, sondern die Therapiewahl auf der Grundlage quantifizierbarer Charakteristika des neuronalen Zustands erfolgt«, schreibt Sanchez auf der DARPA-Internetseite. »SUBNETS ist ein Sprung nach vorne in Richtung innovativer, auf Kenntnissen beruhender und präziser neurotechnologischer Therapien, die die Lebensqualität der Soldaten und Veteranen, die im Rahmen der herkömmlichen Therapien nur wenige vielversprechende Perspektiven haben, erheblich verbessern könnten.«

Dieses neue Projekt ist Teil der BRAIN-Initiative Präsident Obamas, in deren Rahmen im ersten Jahr ihrer Existenz 100 Mio. Dollar zur Entwicklung neuer Innovationen im Bereich der Neurowissenschaften bereitgestellt wurden. Die DARPAarbeitet bei SUBNETS mit dem National Institute of Health,einer Behörde des US-Gesundheitsministeriums, und derNational Science Foundation zusammen. Gegenwärtig sammelt man Vorschläge von verschiedenen Forschergruppen.

Ob die Behörde ihre hochgesteckten Ziele tatsächlich innerhalb der angestrebten fünf Jahre wird erreichen können, bleibt abzuwarten. So kritisierte ein Neurowissenschaftler gegenüber der New York Times, wie fast alle DARPA-Vorhaben sei auch dieses Projekt »übertrieben ehrgeizig«. Dennoch wird allgemein damit gerechnet, dass sich aus dem Projekt neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns ergeben werden. Unabhängig davon, ob das Implantat selbst nun tatsächlich einmal Wirklichkeit werden wird, steht für Sanchez fest, dass im Zuge der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten neue medizinische Geräte entstehen werden. »Wir reden hier von einer umfassenden systematischen Herangehensweise an das Gehirn. Es geht nicht darum, eine Krankheit nach der anderen zu untersuchen, um einen einzelnen Prozess oder eine Untergruppe von Prozessen zu finden. Bei SUBNETS handelt es sich um fachübergreifende, breit gefächerte Bemühungen eines Teams, und das Programm wird historische DARPA-Forschungsinvestitionen zusammenführen und auf ihnen aufbauen«, meinte Sanchez weiter.

Quelle: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/forschungszentrum-des-pentagon-arbeitet-an-echtzeit-gehirnscanner.html;jsessionid=79B663154DE70963ED985613CEE6A34C

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