Komet oder Asteroid? – NASA entdeckt absonderlichen »sechsschweifigen« Himmelskörper

Redaktion

Das Hubble-Weltraumteleskop hat im Asteroidengürtel unseres Sonnensystems zwischen Mars und Jupiter ein überraschendes und bisher nie gesehenes »bizarres und ungewöhnliches Objekt« mit sechs Schweifen entdeckt.

Die Wissenschaftler seien »buchstäblich sprachlos« gewesen, berichtete der Leiter der Studie der Universität von Kalifornien in Los Angeles, David Jewitt, in einer NASA-Pressemitteilung. Sie versuchten nun eine angemessene Erklärung für dieses Himmelsphänomen zu finden, das sich in vieler Hinsicht traditionellen Erklärungsmustern entzieht.

 Schon die Frage, ob es sich um einen Asteroiden oder einen Kometen handelt, lässt sich nicht so einfach beantworten. In der Regel sind Asteroide als kleine Lichtpunkte zu erkennen, aber P/2013 P5, so seine Bezeichnung, verfügt über sechs kometenähnliche Schweife, die aus Staubpartikeln bestehen, die aus ihm herausgeschleudert werden. »Verblüffend war auch, dass er seine Schweifstruktur mit seinen Stauberuptionen innerhalb von nur 13 Tagen dramatisch veränderte. Das hat uns sehr überrascht. Man kann sich kaum vorstellen, dass es sich um einen Asteroiden handelt.«

Bei Asteroiden handelt es sich um Überreste einer abgebrochenen Planetenbildung im Gürtel zwischen Mars und Jupiter. Diese Steinbrocken hätten sich durchaus zu einem Planeten zusammenschließen können, aber dieser Prozess wurde durch die Anziehungskraft des riesigen Jupiters abgebrochen.

Im Unterschied zu Kometen liegen ihre Umlaufbahnen viel näher an der Sonne, aber sie weisen trotz Sonnennähe keine vorübergehende Atmosphäre durch Ausgasungen auf. Kometen wiederum sind relativ kleine, manchmal aktive Objekte, deren Eis in Sonnennähe ausgast und die so genannte Koma, eine sichtbare Atmosphäre mit einem Schweif, bildet.

Die Wissenschaftler sind zu dem Schluss gekommen, dass aufgrund der raschen Rotation des Asteroiden Masse in episodischen Eruptionen von der Oberfläche weggeschleudert wird und dann die Form von Schweifen annimmt. »Wenn die Rotation schnell genug wird, was vom Druck des Sonnenlichts abhängt übersteigen die Fliehkräfte die Schwerkraft, die dann das Oberflächenmaterial nicht mehr halten kann. Es kommt dann zu Staub›lawinen‹ in Richtung Äquator, und von dort wird der Staub dann wahrscheinlich in den Weltraum geschleudert.«

Bei seiner bisherigen Rotation hat der Asteroid mit einem Durchmesser von ca. 480 Metern bisher erst einen kleinen Teil seiner Masse verloren. Die Wissenschaftler beziffern die Menge mit 100 bis maximal 1000 Tonnen. »Die Umlaufbahn des Asteroiden könnte ihn zu einem Mitglied der so genannten Flora-Familie machen. Er wäre dann wahrscheinlich ein Bruchstück aus einer Asteroidenkollision, die sich vor etwa 200 Millionen Jahren ereignete«, erklärt Jewitt.

Die Bruchstücke dieser Kollision folgen ähnlichen Umlaufbahnen und sind 815,5° C heiß. Dies deutet darauf hin, dass der Asteroid aus metamorphem Gestein besteht, das kein Eis hält. Das wiederum würde bedeuten, dass es sich doch um einen Asteroiden handelt. P/2013 P5 begann vor etwa fünf Monaten damit, Staub auszuwerfen, heißt es in der Studie, die in der Ausgabe der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters vom 7. November veröffentlicht wurde.

P/2013 P5 wurde zuerst vom Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii als ungewöhnlich unscharfes Objekt aufgespürt. Mit dem Hubble-Weltraumteleskop erkannte man dann am 10. September die zahlreichen Schweife.

Die Hubble-Bilder vom 23. September zeigten dann gravierende Veränderungen des Objekts, was einigermaßen für Verwirrung sorgte. »Wir waren völlig überrascht«, berichtete Jewitt und fügte hinzu, man habe den Eindruck gehabt, als habe sich die gesamte Struktur des Objekts im Verhältnis zu früheren Beobachtungen gedreht.

Einige Forscher meinen, die Drehbewegung sei vermutlich eine im Asteroidengürtel durchaus übliche Erscheinung und vielleicht typisch für das »Sterben« eines kleinen Asteroiden. »In der Astronomie gilt die Erfahrung: Findet man erstmal ein Objekt, stößt man aller Wahrscheinlichkeit nach später auf viele davon. [P/2013 P5] ist für uns ein Objekt voller Überraschungen und mit großer Sicherheit nur das erste von vielen weiteren, die noch auf uns warten«, sagte Jewitt.

Quelle: http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/neue-wissenschaften/redaktion/komet-oder-asteroid-nasa-entdeckt-absonderlichen-sechsschweifigen-himmelskoerper.html

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